Trump hält die Börsen auf Trab (2018)

Wie schon im Jahr zuvor wurde die Börsenentwicklung auch 2018 maßgeblich von der Politik bestimmt, diesmal allerdings mit umgekehrten und in den meisten Fällen negativen Vorzeichen. So konnten die noch kurz vor Weihnachten 2017 im Hauruck-Stil gegen den geschlossenen Widerstand der Demokraten beschlosse­nen Steuergeschenke Donald Trumps nur ganz kurz zu Jahresbeginn für Euphorie bei den Anlegern sorgen, kam der Entschluss zur größten Steuer­reform seit mehr als 30 Jahren doch zu einer Zeit, in der die US-Wirtschaft bereits längst zu überhitzen drohte. Die Folge war ein jäher Absturz der Aktien­kurse Anfang Februar, als sich an den Märkten die ersten Inflations- und Zinsängste zeigten.

Handelskonflikte schaukeln sich immer weiter hoch

Gab es 2018 mehrere Krisenherde, die die Anleger bewegten, so stand über allem neben zahlreichen weiteren Eskapaden der von US-Präsident Donald Trump vom Zaun gebrochene Handelsstreit insbesondere mit China und der EU, der die Märkte einfach nicht zur Ruhe kommen ließ und immer wieder hin- und her manövrierte. Dabei drohte die Lage ständig weiter zu eskalieren. So brüskierte Trump im März Kanada, Mexiko und die EU mit der Anordnung von Schutzzöllen auf Aluminium und Stahl. Gleichzeitig kündigte er Importzölle auf ausgewählte chinesische Produkte aus den Bereichen Technologie, Telekommunikation und Bekleidung in Höhe von bis zu 60 Milliarden US-Dollar an. Denn seiner Meinung nach betreibe China systematisch „Diebstahl“ von geistigem Eigentum der USA und erzwinge damit einen Technologietransfer von amerikanischen auf chinesische Unternehmen. Die Reaktion aus dem Land der Mitte ließ nicht lange auf sich warten und bestand wiederum aus Zöllen auf US-Waren wie Schweinefleisch, Früchte oder Wein im Wert von drei Milliarden Dollar. Die US-Börsen zeigten sich im Anschluss „verschnupft“ und gaben deutlich nach.

Die Eskalation geht in die nächste Runde

Im Juni antwortete erstmals auch die EU auf die Maßnahmen des US-Präsidenten mit Vergeltungszöllen auf amerikanische Produkte wie Erdnussbutter, Jeans, Whiskey und Motorräder, was Trump wiederum postwendend per „Twitter“ zur Androhung von weiteren Strafzöllen gegen europäische Autobauer veranlasste. Der mit zahlreichen Autowerten gespickte Dax ging daraufhin sofort auf Tauchstation. Im September erreichte die Eskalationsspirale schließlich ihren bisherigen Höhepunkt, als die USA China mit weiteren Zöllen im Umfang von 200 Milliarden Dollar belegte, was damit bereits die Hälfte aller chinesischen Warenimporte betraf und die Volksrepublik ihrerseits eine Vergeltung im Wert von 60 Milliarden Dollar auf US-Importe ankündigte. Im Dezember ruderte Trump bei einem Abendessen am Ende des G20-Gipfels mit Chinas Staatspräsident Xi Jinping allerdings wieder zurück und legte die für Januar angekündigten Strafzölle vorerst auf Eis, um neuen Verhandlungen eine Chance zu geben. Die Märkte konnten einmal kurz durchatmen.

Trump ließ kaum ein „Fettnäpfchen“ aus

Donald Trump bewegte die Märkte 2018 allerdings nicht nur in Sachen Handelsstreit. So sorgte der Ausstieg aus dem Atomabkommen mit dem Iran, das unter Federführung seines Vorgängers Barack Obama 2015 zusammen mit Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Russland und China geschlossen worden war, sowie die Ankündigung schärfster Sanktionen gegen das Land am Persischen Golf im Mai weltweit für großes Aufsehen. Aber auch die Zustimmung zur gemeinsamen Abschlusserklärung beim G7-Gipfel in Kanada am 9. Juni und deren nachträgliche Rücknahme erhitzte viele Gemüter. Immerhin konnte der US-Präsident im gleichen Monat durch sein erstes Treffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un in Singapur trotz der zahlreichen gegenseitigen Provokationen im Vorfeld bei vielen Beobachtern punkten. Das galt allerdings weniger für die Attacke an Heiligabend auf den neuen Chef der US-Notenbank Jerome Powell mit dem Vorwurf, dieser würde die Leitzinsen zu schnell erhöhen und dadurch die Konjunktur abwürgen ¬– dies alles vor dem Hintergrund des teilweisen Behördenstillstands („Shutdown“) im Haushaltsstreit mit den Demokraten, die erst im Monat zuvor bei den Kongresswahlen, den sogenannten Midterms, die Mehrheit im Repräsentantenhaus zurückerobern konnten.



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