Marktübersicht

Dax
12.607,50
0,30%
MDax
25.606,00
0,15%
BCDI
139,08
-1,07%
Dow Jones
22.372,12
-0,18%
TecDax
2.391,25
-0,48%
Bund-Future
161,07
0,06%
EUR-USD
1,19
0,39%
Rohöl (WTI)
50,63
-0,18%
Gold
1.291,21
-0,76%

Wechselreiterei in Amsterdam (1763)

Im Gegensatz zu den in den Geschichtsbüchern oft behandelten Kursblasen zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Frankreich (Mississippi-Projekt von John Law) und Großbritannien (Southsea-Bubble) ist der Crash an der Amsterdamer Börse im Jahr 1763 eher unbekannt und das obwohl dieser Crash, da er halb Europa betraf, erstmals internationalen Charakter zeigte.

1763 endete der Siebenjährige Krieg. Unter diesem Begriff faßt die Geschichte zwei eng verflochtene, aber dennoch getrennte Kriege zusammen. Zum einen kämpfte Österreich gegen Preußen im sogenannten 3. Schlesischer Krieg um die Wiedergewinnung der reichen Provinz Schlesien, die es 1748 an die Deutschen verloren hatte, sowie gegen das preußische Hegemonialstreben. Während die österreichische Herrscherin Maria Theresia (Erzherzogin von Österreich und Königin von Ungarn und Böhmen) mit der Zeit die Unterstützung Rußlands, Schwedens, Sachsens, Spaniens und Frankreichs gewann, schlugen sich Großbritannien und das Haus Hannover auf die Seite Preußens. Zum anderen standen sich zur gleichen Zeit auch Frankreich und Großbritannien kriegerisch aufgrund der amerikanischen Kolonien gegenüber (französisch-britische Kolonialkrieg). Um das Jahr 1754 hatten sich zwischen beiden Ländern Rivalitäten um die Ländereien westlich der Appalachen sowie die Fischereirechte vor der Küste von Neufundland entwickelt, die 1756 schließlich in einen Krieg mündeten. Mit dem Frieden von Paris am 10. Februar 1763 zwischen Frankreich, Spanien und Großbritannien sowie dem Frieden von Hubertusburg, der am 15. Februar 1763 zwischen Österreich und Preußen unterzeichnet wurde, endeten die Auseinandersetzungen. Während die französischen Territorien in Amerika fast komplett an Großbritannien fielen, blieben die Grenzen in Europa unverändert. Fast alle europäischen Staaten waren in den Krieg verwickelt worden, lediglich Holland blieb als einzige große Handelsnation neutral.

Florierende Wechselwirtschaft
Aufgrund der Neutralität erlebte Holland in dieser Zeit einen rasanten Aufschwung insbesondere im Außenhandel. Zwar hatte der Amsterdamer Handelsplatz 1763 schon einen Teil seiner Bedeutung an London verloren, trotzdem zählte er damals noch zu einem der Wichtigsten im europäischen Zahlungsverkehr. Die Finanzierung der Handelsgeschäfte erfolgte zum Großteil über Wechsel. Diese Wertpapierart sollte ursprünglich die Anfang des 17. Jahrhunderts in Holland herrschende Münzenvielfalt abschaffen und durch eine stabile Währung ersetzen. Durch Einführung des Wechsels sowie der Errichtung von Banken in den wichtigsten Städten des Landes, die die Funktion der privaten Wechselstuben und Kassierer übernahmen, wurde insbesondere der Außenhandel wesentlich vereinfacht. So bestand die Funktion der Bank von Amsterdam zu jener Zeit vor allem darin, Depositen anzunehmen und bargeldlose Überweisungen zwischen den Kaufleuten von Konto zu Konto zu ermöglichen. Weiterhin sollte Edelmetall und nicht gangbare Münzen aufgekauft und dafür neue, wertbeständige Münzen geprägt werden.

Mehrere Faktoren führten schließlich gegen Ende des Siebenjährigen Krieges zu einer Überhitzung des Wechselgeschäfts mit schlimmen Folgen für die europäische Wirtschaft.

Der Krieg hatte u.a. in Großbritannien aufgrund des großen Kapitalbedarfs einen stark erhöhten Zinssatz zur Folge. Mit Eröffnung der Friedensvoraussetzungen am 3. November 1762 deckten sich viele Anleger, darunter auch bedeutende holländische Kaufleute, in Erwartung fallender Zinsen in Großbritannien nach Kriegsende vermehrt mit öffentlichen Anleihen und Bankaktien ein. Bis zum März 1763 waren die Kurse dieser Wertpapiere bereits um 50 bis 60 Prozent gestiegen. Doch die erhoffte Zinssenkung blieb - aufgrund eines erhöhten Finanzbedarfs der Privatwirtschaft nach Kriegsende - aus, mit entsprechenden Folgen für die Wertpapierkurse. Die Kurse sackten wieder nach unten und die meisten Spekulaten verloren viel Geld. Zwar war diese Kursblase nicht mit denen zu Beginn des Jahrhunderts zu vergleichen, doch hatte sie wenig später indirekt Auswirkungen auf ganz Europa.



zurück zur Übersicht | nächster Artikel
Seite: 1 | 2 |

Börsengeschichte 1842-1864

Die Krise
Cotton Famine und Credit Mobilier
und Schwarzer Freitag (1864-1867)

Durch den amerikanischen Bürgerkrieg (1861-1865) kam es zu einem massiven Rückgang der Baumwollexporte. Der...

Die Weltwirtschaftskrise 1857

Ausgehend von New York und Ohio verbreitete sich im Jahr 1857 eine schwere Wirtschaftskrise in einer hohen...

Die Krise in Großbritannien (1846-1848)

Zwei vollkommen verschiedene Gründe waren in den Jahren 1847 und 1848 der Auslöser zum Ausbruch einer...

Die Eisenbahnaktien-Hausse in
Deutschland (1842-1848)

Mit der Eröffnung der Ludwigs-Eisenbahn-Gesellschaft in Nürnberg am 7. Dezember 1835 hatte auch in...

Börsengeschichte 1816-1836

Die internationale Wirtschaftskrise
(1836-1838)

Die große Wirtschaftskrise, die ab Mitte der Dreißiger Jahre des 19. Jahrhunderts mehrere Länder Europas...

Die Elsaß-Krise im Jahr 1828

Nach dem Zusammenbruch der britischen Wirtschaft im Jahr 1825, waren die Auswirkungen auf dem gesamten...

Die britisch-südamerikanische Krise
(1825/1826)

Nach dem Ende der Napoleonischen Kriege und der Wirtschaftskrise 1816/1817 erholte sich die britische...

Die Krise um die
Second Bank of America (1819/1820)

Während Europa in den Jahren 1815 und 1816 unter einer Depression zu leiden hatte, konnte die Wirtschaft in...

Die Wirtschaftsdepression
im Jahr 1816/1817

Mit dem Ausstieg Russlands aus der Kontinentalsperre im Jahr 1810 begann der Niedergang Napoleons. Wenig...

Börsengeschichte 1763-1806

Kontinentalblockade des Festlandes
und Great Panic in England (1806-1811)

Wie schon einige Jahre zuvor in Hamburg, so verursachten die politischen Veränderungen wenige Jahre später...

Die Hamburg-Krise (1799)

Hamburg war im 18. Jahrhundert neben Frankfurt, Köln und Berlin eine der wichtigsten Bankenstädte in...

Das Kanalbaufieber in England (1793)

Gegen Mitte des 18. Jahrhunderts begann in England die Industrielle Revolution. Ausgelöst wurde die...

Die Finanzkrise in England, Schottland
und den Niederlanden (1772/1773)

In den Jahren 1772 und 1773 erschütterte eine schlimme Finanzkrise Europa. Auslöser war der Zusammenbruch...

Wechselreiterei in Amsterdam (1763)

Im Gegensatz zu den in den Geschichtsbüchern oft behandelten Kursblasen zu Beginn des 18. Jahrhunderts in...

Börsengeschichte 1630-1723

Die zweite Hausse der
Westindischen Kompanie (1723-1725)

Der Zusammenbruch des Lawschen Systems im Jahr 1720 war noch in den Köpfen der Anleger, da entwickelte sich...

John Law und
das Mississippi-Projekt (1720)

Parallel zu den Geschehnissen in England wurde auch Frankreich Anfang des 18. Jahrhunderts Opfer einer...

Die South Sea Bubble in England (1720)

Der Tulpencrash der Jahre 1630-1637 war schon seit langem vorbei, da kam es Anfang des 18. Jahrhunderts in...

Die Tulpen-Hausse (1630-37)

Die Geschichte der Börse beschränkt sich nicht nur auf das 19. und 20. Jahrhundert. Bereits von Griechen...