Bayer unter Druck: Millionenstrafen und kein Ende

Montag, 17.02.20 15:24
Erst Glyphosat, dann Dicamba: Unkrautvernichter kommen Bayer(-Aktionäre) derzeit teuer zu stehen. Eine US-Jury im Bundesstaat Missouri verurteilte die Bayer und BASF zu einer gemeinsamen Millionenstrafe. Die Chemiekonzerne sollen insgesamt 265 Millionen Dollar zahlen, weil durch den Einsatz des Herbizids Dicamba Teile der Pfirsichplantage eines klagenden US-Landwirts ruiniert worden seien. Bayer hat Dicamba im Zuge der Monsanto-Übernahme “eingekauft”, BASF nutzt ein eigenes, auf Dicamba basierendes Produkt. Dieses dient dazu, gentechnisch veränderte Pflanzen zu behandeln und wird angeblich leichter verweht - in diesem Fall auf die Plantage des Pfirsichbauern.

Die Bayer-Aktie verlor im Zuge der Millionenstrafe zu Handelsbeginn über zwei Prozent. Innerhalb der vergangenen fünf Jahre stehen somit nach einigen Berg- und Talfahrten -38,8 Prozent zu Buche, während der Vergleichsindex Dax +25,8 Prozent zulegte.

Vernichtende Herbizide


Die genaue Aufteilung des verhängten Bußgelds, bestehend aus 250 Millionen Dollar Strafe und 15 Millionen Dollar Schadensersatz zwischen den Parteien ist zwar noch unklar, könnte jedoch eine neue Klagewelle auslösen. Zumal bereits der aktuelle Tatbestand dubios erscheint: Über einen Zeitraum von drei Jahren sollen von benachbarten Baumwollfeldern anderer Landwirte Teile des Unkrautvernichters von BASF auf die Pfirsichplantage des Klägers geweht sein. Während die Baumwollpflanzen von Monsanto (Bayer) gentechnisch so verändert wurden, dass sie gegen Dicama resistent waren, erlitten die Pfirsichbäume erheblichen Schaden  - was laut der Unternehmensanwälte auch die Folge von Hagel oder spätem Frost hätte sein können. Obwohl die Verteidigung zusätzlich Rückendeckung von der US-Umweltschutzbehörde EPA erhielt, die darauf hinwies, dass Dicamba kein unangemessenes Risiko darstellt, wenn es gemäß den Anweisungen verwendet würde, urteilte die Jury zugunsten des Klägers.

Bayer droht weiteres Ungemach


Der Rechtsspruch kommt zur Unzeit, denn Bayer kämpft ohnehin schon mit milliardenschweren Forderungen wegen der Folgeschäden durch den Unkrautvernichter Glyphosat. Mit insgesamt rund 140 weiteren, ausstehenden Klagen betreffend Dicamba, könnte der Konzern noch jahrelang in unruhigem Fahrwasser verkehren. Vom möglichen, schwer zu beziffernden, Imageschaden ganz zu schweigen.

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