Big Mac: Kult-Hamburger mit eigenem Index

Mittwoch, 29.08.12 17:30
Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

beim Stichwort Indizes denken die meisten Aktien-Ausblick-Leser bestimmt sofort an Dax, Dow Jones oder den boerse.de-Champions-Index BCI, aber sicher nicht an McDonald´s. Dabei wurde diesem Aktienbrief-Champion ebenfalls ein Index gewidmet. Denn im September 1986 berechnete die britische Zeitschrift The Economist erstmals den Big-Mac-Index, um das Themengebiet Wechselkurse und Kaufkraftparität anschaulich zu beleuchten. Hintergrund:

Die sogenannte Kaufkraftparitätstheorie basiert auf dem Gesetz der Preiseinheitlichkeit. Dieses besagt, dass ein homogenes Gut auf vollkommenen Märkten in zwei verschiedenen Ländern keine Preisunterschiede aufweisen dürfte. Nach der Währungsumrechnung sollte also ein identisches Produkt, das bspw. in Deutschland und Neuseeland erhältlich ist, dasselbe kosten. Andernfalls seien die Wechselkurse nicht fair bzw. Währungen über- bzw. unterbewertet. Zur Praxis:

McDonald´s betreibt mittlerweile mehr als 33.000 Restaurants in 119 Ländern. Zum Erfolgsrezept des Konzerns gehört dabei die weltweit standardisierte Zubereitung seiner Produkte. So wird der Big Mac rund um den Globus schon seit Jahrzehnten aus den exakt festgelegten Zutaten Sesambrötchen, Rinderhack, Salat, Zwiebeln, Gewürzgurken, Schmelzkäse und Sauce zubereitet. Somit bietet sich der beliebteste McDonald´s-Burger ideal an, um die Preisniveaus in verschiedenen Ländern miteinander zu vergleichen.

Hierzu ermitteln die Economist-Redakteure regelmäßig den Big-Mac-Preis in verschiedenen Ländern und rechnen ihn in US-Dollar um. Die jüngste Erhebung fand im Januar statt, wobei 44 Länder bzw. Währungsräume berücksichtigt wurden. Denn für den Vergleich mit der Eurozone wurde ein Durchschnitt der Teilnehmerländer gebildet. Die Abbildung zeigt:



Am teuersten ist der Big Mac laut 2012er-Erhebung in der Schweiz. Während McDonald´s-Kunden in den USA für einen Big Mac 4,20 Dollar auf die Theke blättern, müssen die Eidgenossen dafür wesentlich tiefer in die Tasche greifen. Dort kostet der Burger umgerechnet 6,81 Dollar, also satte 62% mehr! Aus dieser Sicht ist der Schweizer Franken gegenüber dem Greenback um 62% überbewertet. Der Besuch bei McDonald´s wird dort schon fast Luxus, und das gilt auch für die skandinavischen Länder sowie Brasilien.

Ganz anders sieht das Bild dagegen in Asien und Osteuropa aus, wo McDonald´s-Kunden vergleichsweise am günstigsten speisen. Spitzenreiter ist Indien, wo lediglich 1,62 Dollar gezahlt werden müssen, was eine Unterbewertung der Rupie gegenüber dem US-Dollar von 61% signalisiert. Für Indien wird übrigens statt dem Big Mac ausnahmsweise der Maharaja Mac berücksichtigt. Denn in dem überwiegend hinduistischen Land sind Kühe bekanntlich heilig und Rindfleisch ist auf dem Teller somit tabu. Deshalb werden dort stattdessen Hühnerfleisch-Pattys gebrutzelt. Selbstverständlich ist klar:

Allein aus dem Preis für einen Burger können sich keine exakten Rückschlüsse auf die faire Bewertung von Euro, Franken & Co. ziehen lassen. Schließlich müssen ja neben den Kosten für die Zutaten unter anderem auch Löhne, Mieten und Steuern berücksichtigt werden, die eben von Land zu Land teils erheblich variieren. Daher kann der Big-Mac-Index lediglich als grober Anhaltspunkt dafür dienen, ob Währungen gerade über- oder unterbewertet sind.

Mit bester Empfehlung

Jochen Appeltauer
Chefredakteur
boerse.de-Aktienbrief


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Jochen Appeltauer ist boerse.de-Aktienbrief-Chefredakteur. Der boerse.de-Aktienbrief ist der große deutsche Börsenbrief für den langfristigen Vermögensaufbau mit den laut Performance-Analyse 100...
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