Zalando: Das steckt hinter dem gestrigen Kursrutsch!

Mittwoch, 18.09.19 14:48
Zalando-Aktionäre schrien gestern nicht “vor Glück” (wie im früheren Werbespot des Online-Händlers), sondern vor Entsetzen: Die Zalando-Aktie verlor zeitweise über elf Prozent an Wert. Ein derber Rückschlag für verwöhnte Zalando-Anleger, deren Investment seit Jahresbeginn +82 Prozent Rendite erzielte, während der Vergleichsindex MDax “nur” +20 Prozent zulegte.

Zalando “lief” zu gut
Doch genau darauf gründeten die Gewinnmitnahmen: Der Zalando-Kurs entwickelte sich in den vergangenen Monaten so gut, dass die schwedische Beteiligungsgesellschaft Kinnevik, die zugleich Hauptaktionär ist, gestern einfach Kasse machen “musste”. Sie veräußerte ein Paket von 13,13 Millionen Anteilen (etwa fünf Prozent aller Zalando-Aktien) zu einem Preis von 42,50 Euro, was einem Gegenwert von rund 558 Millionen Euro entsprach.

Eine der mächtigsten Frauen Schwedens, Cristina Stenbeck, Kinnevik-Erbin und Investorin  kann sich jetzt mehr als ein Paar neue Schuhe leisten, denn ihr unternehmerischer Weitblick hat sich schon in der Vergangenheit bezahlt gemacht. Kinnevik war unter Federführung der Schwedin 2010 bei Zalando eingestiegen, vier Jahre vor dem Börsengang. Seit dem IPO im Oktober 2014, bei dem die Aktien für 21,50 Euro zugeteilt wurden, hat sich deren Kurswert verdoppelt.

Neben der Gelegenheit Kasse zu machen gab es allerdings auch strategische Motive für den gestrigen “Sale”. Kinnevik Geschäftsführer Georgi Ganev meinte dazu: "Die Entscheidung, einen kleinen Teil unserer Beteiligung abzustoßen, steht im Zusammenhang mit unserem Ehrgeiz, unser Investitionstempo aufrechtzuerhalten und damit unser Portfolio in Richtung eines größeren Anteils von nicht-börsennotierten Firmen weiterzuentwickeln."

Die Marschrichtung stimmt
Kinneviks Entscheidung, nur einen geringen Zalando-Anteil zu versilbern, mag auch mit der guten Geschäftsentwicklung und Wachstumsperspektive des Mode- und Kosmetikhändlers zu tun haben. So erhöhte sich die Zahl der aktiven Zalando-Kunden in den Monaten April bis Juni um gut 15 Prozent auf 28,3 Millionen, wobei auch die Anzahl der Bestellungen um fast ein Viertel auf 36,1 Millionen anzogen. Das bereinigte, operative Ergebnis stieg von 94 Millionen auf 101,7 Millionen Euro, die Erlöse um ein Fünftel auf knapp 1,6 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr peilt das Zalando-Management ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen und Steuern von 175 bis 225 Millionen Euro an, wobei allerdings etwa 300 Millionen Euro für Investitionen benötigt werden.

Viel Geld, doch Zalando muss schnell expandieren. Denn nur wenn es den Berlinern gelingt, neue Produktsegmente zu erschließen, den Umsatz pro Bestellung weiter zu erhöhen und Pakete noch schneller auszuliefern, kann sich das vergleichsweise kleine Unternehmen gegen mächtige Konkurrenten wie Amazon langfristig behaupten.

Im Gegensatz zu “Newcomer” Zalando stellt boerse.de-Aktienbrief-Champion Amazon seine Marktdominanz schon seit Jahrzehnten immer wieder unter Beweis und gilt heute als unumstrittene Nummer Eins im Online Handel. Dieser einzigartige Wettbewerbsvorteil führt dazu, dass die Amazon-Aktie während der vergangenen zehn Jahre steigende Kurse von im Mittel +33,8 Prozent p.a. verzeichnete und damit zur “Elitegruppe” der boerse.de-Aktienbrief-Champions zählt. Mehr über Amazon und weitere 99 Champions-Aktien, die Anleger “vor Glück schreien lassen”, erfahren Sie in Ihrer aktuellen Aktienbrief-Gratisausgabe!

Ich wünsche Ihnen einen entspannten, erfolgreichen Börsentag,

Ihre Miss boerse.de
Miss boerse.de liest lieber Wirtschaftszeitungen als Illustrierte und kauft Amazon-Aktien statt neuer Schuhe. Unsere Autorin schreibt in ihrer Kolumne tagesaktuell über Ereignisse aus der...
© 1994-2019 by boerse.de - Quelle für Kurse und Daten: ARIVA.DE AG - boerse.de übernimmt keine Gewähr