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Die internationale Wirtschaftskrise (1836-1838)

Die große Wirtschaftskrise, die ab Mitte der Dreißiger Jahre des 19. Jahrhunderts mehrere Länder Europas sowie die Vereinigten Staaten von Amerika heimsuchte, war wohl eine der schlimmsten Krisen dieses Jahrhunderts. Gleich mehrere Faktoren in verschiedenen Ländern führten letztendlich zum Ausbruch. Die damals bereits eng verflochtenen Wachstumsgebiete Europa und USA beeinflussten sich dabei gegenseitig. Nach Ansicht des Börsenhistorikers R.G. Hawtrey begann die Krise 1836 in England, von wo sie sich im Jahr 1837 auf die USA ausweitete, um ein Jahr später schließlich in Belgien, Frankreich und Deutschland auszubrechen. Dies führte wiederum zu einer Verschlechterung der Situation in den USA und England. Doch die eigentlichen Vorgänge waren weit aus komplizierter.

Ein Ursprung der Panik ist sicher in den in ganz Europa aufkommenden Aktienspekulationen zu suchen. Im Mittelpunkt standen dabei vor allem Eisenbahnaktien. Wie schnell diese Aktien in diesen Jahren im Wert zulegen konnten, zeigt das Beispiel der ersten deutschen Eisenbahn. Ab 1833 hatten sich Pläne, zwischen Nürnberg und Fürth eine mit Dampfkraft betriebene Eisenbahn zu bauen, konkretisiert. Trotz der hohen Kosten von 132.000 Gulden, war das nötige Aktienkapital für die Gründung der "Ludwigs-Eisenbahn-Gesellschaft in Nürnberg" schnell zusammen. Zunächst musste die Aktie aufgrund anhaltender Probleme, u.a. beim Zusammenbau der Lokomotive, einen Kursverlust von rund 20% hinnehmen. Nachdem die erste deutsche Eisenbahnstrecke aber schließlich am 7. Dezember 1835 offiziell dem Betrieb übergeben worden war, schossen die Kurse in die Höhe. Innerhalb von nur fünf Wochen hatte die Aktie 36 Prozent zugelegt. Der Grund für diesen Anstieg lag in der hohen Akzeptanz der Eisenbahn in der Bevölkerung, sodass das Ende der Kursgewinne noch nicht abzusehen war. Am 26. Januar 1836 lag die Aktie 100% im Plus und bis Mitte März war das Papier schließlich um mehr als 300 Prozent gestiegen. In nur drei Monaten hatte sich der Kurs damit verfünffacht. Dieser Erfolg löste in Deutschland einen waren Run auf Eisenbahnaktien aus. Die Aktien der Taunusbahn (1837) waren beispielsweise über vierzigfach überzeichnet und die erste Notierung lag rund 70 Prozent über dem Emissionspreis.

England und die Vereinigten Staaten setzen auf die Eisenbahn
Während Deutschland noch am Beginn der Eisenbahnmanie stand, war die Entwicklung in England und den Vereinigten Staaten bereits weit vorangeschritten. Seit den ersten Testversuchen einer Dampflok im Jahr 1804 in England, war das Eisenbahnnetz in beiden Ländern sukzessive ausgebaut worden. Im Jahr 1838 legten die Briten bereits rund 8.8 Millionen Kilometer auf der Schiene zurück. Dementsprechend war auch der Run auf die Aktien der Betreibergesellschaften um einiges größer, als bei den bis dato eher unbedeutenden deutschen Eisenbahngesellschaften.

Neben der Spekulation auf das "Transportmittel der Zukunft" standen zu dieser Zeit in England und den Vereinigten Staaten vor allem Aktien von Unternehmen aus der Baumwollindustrie bei Spekulanten hoch im Kurs. Wie bei den Eisenbahnaktien sorgten auch hier unglaubliche Kurssprünge dafür, dass immer mehr Anleger auf das Karussell aufsprangen und die Kurse in die Höhe schraubten.

Bereits im Mai 1836 hatte J. Poulett Thompson, der Präsident der englischen Handelskammer, die zunehmende Spekulationsgier in der Bevölkerung angeprangert. Doch seine Worte verhallten ebenso ohne Erfolg wie die Versuche der Behörden in Frankreich und Belgien durch ein Verbot der Notierung von Kursen kurzfristiger Schuldtitel den Spekulationsboom einzudämmen. Egal ob Amateure, Pensionäre oder Kleinbürger - jeder versuchte an das "schnelle Geld" zu kommen.

Bonität spielt keine Rolle
Allerdings verfügten viele dieser Kleinanleger nicht über die nötigen flüssigen Mittel, um an der Börse zu spekulieren. Die Aufnahme eines Kredites schien deswegen oft der geeignete Ausweg. Die Zahl der Banken in Großbritannien war in den letzten Jahren vor dem Crash rapide angestiegen, weshalb praktisch jeder, der es wollte, auch einen Kredit bekam. Grund für den Zuwachs waren zwei bedeutende Gesetzesänderungen in den Jahren 1826 und 1833. Durch den "Country Bankers Act" von 1826 war zunächst das Monopol der Bank of England als Handelsbank für Wertpapiere außerhalb eines 65-Meilen-Radius um London gebrochen worden. Nach 1833 endete das Monopol schließlich vollständig. Die neuen Banken wurden mangels Großinvestoren in der Regel als Aktiengesellschaften gegründet, da nur so ausreichend Mittel für den Betrieb des Unternehmens aufgebracht werden konnten. Um möglichst schnell eine große Kundschaft zu bekommen, achteten viele Finanzinstitute allerdings nur wenig auf die Bonität des Antragstellers.



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