Dax 10616.0 -0.10%
MDax 21518.0 0.01%
TecDax 1798.5 0.00%
BCDI 139.52 0.00%
Dow Jones 18261.45 -0.71%
Nasdaq 4859.95 -0.69%
EuroStoxx 3026.0 0%
Bund-Future 165.14 0%

Exkurs: Swap Dealers

Exkurs: Swap Dealers

 

An dieser Stelle ist es sinnvoll, die Rolle des gezeigten Schaubilds als »Swap Dealer« bezeichneten Marktteilnehmer etwas intensiver unter die Lupe zu nehmen.

 

Um das Geschäft dieser »Tausch-Händler«, so die wörtliche Übersetzung des Begriffes »Swap Dealer«, verstehen zu können, müssen wir etwas in die Welt der Derivate eintauchen und uns anschauen, was ein »Swap« ist.

 

Begrifferklärung Swaps

 

Swaps gehören ebenso wie Optionen oder Futures zu den Termingeschäften. Sie werden im Unterschied etwa zu Futures nicht börsengehandelt, sondern es handelt sich bei ihnen um Geschäfte direkt zwischen zwei Handelspartnern, die somit an keinerlei Vorgaben einer Börse hinsichtlich der Ausgestaltung der Transaktionen gebunden sind. Erlaubt ist quasi, was gefällt bzw. worüber ein Konsens zwischen den Partnern herbeigeführt werden kann.

 

Das Grundprinzip bei allen Arten von Swaps, seien es nun Swaps mit einem Bezug zu Aktien, zu Anleihen oder eben zu Rohstoffen ist, dass es während der Laufzeit des Swaps einmalig oder regelmäßig zu einem Austausch (englisch: to swap) zukünftiger fester oder variabler Zahlungen kommt, deren Berechnungsgrundlagen bereits bei Abschluss definiert und festgezurrt wurden. Meist wird dabei ein feststehender Betrag gegen einen genau definierten, aber noch nicht endgültig feststehenden Betrag zwischen den beiden Swappartnern ausgetauscht.

 

Rohstoff-Swap zur Absicherung von Marktpreisrisiken für Rohstoffproduzenten

 

Grafik


Auf dem Rohstoffmarkt können Swaps sowohl zur Absicherung von Marktpreisrisiken, aber auch als Instrument zur bewussten Spekulation auf Preisänderungen eingesetzt werden.

 

Beispiel, die das Prinzip dieses wichtigen Finanzinstruments verständlicher macht:

 

Durch den Abschluss eines »fixed-for-floating-Swaps« mit einem Swap Dealer wird es einem Rohstoffproduzenten möglich, sich für die Dauer der Laufzeit dieses Termingeschäftes für eine genau festgelegte Menge des entsprechenden Rohstoffes einen festen Preis zu sichern.

 

Veränderungen des Marktpreises für den Rohstoff tangieren den Produzenten durch den Abschluss des Swaps weder im positiven noch im negativen Sinn, da der zukünftige Verkaufspreis der erzeugten Rohstoffe durch den Swapvertrag festgeschrieben wurde. An den vereinbarten Zahlungstagen erhält der Produzent vom Swap Dealer den vereinbarten Festpreis.

 

Im Gegenzug ist der Produzent verpflichtet, den aktuellen Marktwert für die zugrundeliegende Menge an den Swap Dealer zu entrichten, egal, wie hoch oder niedrig dieser auch sein wird. Da der Produzent jedoch durch den Verkauf der Rohstoffe zu aktuellen Marktpreisen diesen abzuführenden Betrag von den Abnehmern seiner Rohstoffe erhält, handelt es sich bei diesem aktuellen Marktwert quasi nur um einen durchlaufenden Posten, der direkt an den Swap Dealer weitergeleitet wird. Wichtig bei dieser Art von Tauschgeschäften ist, dass nur Geldbeträge, aber keine Rohstoffe zwischen den Vertragsparteien ausgetauscht werden.

 

Preiskapriolen an den Rohstoffmärkten stellen für einen dermaßen abgesicherten Produzenten keine Bedrohung bei fallenden Preisen mehr dar, sie bieten aber bei steigenden Preisen auch keine Chance auf höhere Gewinne mehr.

 

Ob der Swap Dealer diese auf ihn abgewälzten Risiken oder Chancen nun beibehalten will oder nicht, das hängt einerseits von seiner Preisprognose für den zugrundeliegenden Handelsgegenstand ab und davon, ob er die Preisrisiken auch tragen will oder kann.

 

In vielen Fällen stellen Swap Dealer nur Zwischenhändler für die Risikoabsicherung dar. Sie versuchen deshalb, durch den Abschluss von Gegengeschäften ihre offene Marktposition ebenfalls zu hedgen. Dies geschieht in unserem Beispiel in der Form, dass der Swap Dealer mit einem anderen Marktteilnehmer einen Swap abschließt, bei dem er nun selbst einen Festpreis erhält, der in der Regel größer ist als jener an den Produzenten zu zahlenden. Zusätzlich gibt er den vom Produzenten erhaltenen Marktpreis an den zweiten Swap-Partner weiter. Das Risiko sich verändernder Marktpreise ist somit eliminiert worden und der Swap Dealer hat durch geschicktes Verhandeln für die Laufzeit der beiden Geschäfte einen relativ geringen Gewinn in Höhe der Differenz zwischen zu empfangenden und zu zahlenden Festpreis festgeschrieben. Kann ein Swap Dealer dieses Spiel oftmals wiederholen, dann summieren sich allerdings viele kleine Gewinne zu stattlichen Beträgen. Er kann die Position aus dem ersten Swap, also das Risiko fallender Marktpreise für den zugrundeliegenden Rohstoff, allerdings auch bewusst offen lassen um von steigenden Marktpreisen vollständig profitieren zu können.
 

Oder er kann sich – und nun kommt die Regulierung durch die CFTC sowie die Offenlegung der Positionierung der Swap Dealer mittels CoT-Reports ins Spiel – die Absicherung der eingegangenen Swap-Risiken durch zielgerichtete Transaktionen in börsengehandelten Futureskontrakten durchführen. Und genau diese börsengehandelten Transaktionen sind es dann, die im CoT-Report unter der Kategorie Swap Dealer aufgeführt werden.

 

Will sich nun ein Verbraucher gegen das Risiko steigender Rohstoffpreise absichern, so kann er ebenfalls in einen Rohstoffswap eintreten. Dies sieht dann folgendermaßen aus:

 

Rohstoff-Swap zur Absicherung von Marktpreisrisiken für Rohstoffverbraucher 

 Grafik

 

Da der Verbraucher daran interessiert ist, eine verlässliche Kostenbasis für den Einkauf der für die Produktion seiner Waren notwendigen Rohstoffe zu haben, nimmt er die Position eines Festzinszahlers bei einem fixed-for-floating-Rohstoffswap ein und eliminiert dadurch das Risiko steigender Einkaufspreise.

 

Gleichzeitig beraubt ihn der abgeschlossene Swap jedoch um die Chance der Partizipation an fallenden Marktpreisen. Auch in einem solchen Fall kann der Swap Dealer ein Gegengeschäft zum Swap mit dem Verbraucher abschließen, um sich der Preisrisiken zu entledigen – er muss dies aber nicht tun und auf fallende Rohstoffpreise hoffen, was ihm im Erfolgsfall einen hohen Gewinn einbringen würde.

 

Doch außer den Marktteilnehmern, die Swaps als Absicherungsinstrument einsetzen gibt es noch weitere Interessenten an den Tauschgeschäften: Die Spekulanten, die ohne realen Rohstoffhintergrund einzig und allein auf Preisveränderungen von Rohstoffen setzen und sich hierzu das Vehikels Rohstoff-Swap bedienen. Es ist diesen Spekulanten dabei möglich, auf steigende oder fallende Rohstoffpreise zu setzen. Im ersten Fall wird dabei eine Festpreiszahlerposition im Swap eingegangen, im zweiten eine Festpreisempfängerposition.

 

Rohstoff-Swap zur Spekulation auf steigende Rohstoffpreise 

 

Grafik

 

Die genannten Beispiele haben klar aufgezeigt, dass Swap Dealer also sowohl Vertragspartner von Hedgern als auch Mittelsmänner für Spekulanten sein können. Sie sind somit sozusagen Diener zweier Herren. Die CTFC hat aus diesem Grund in ihren CoT-Reports eine eigene Klassifizierung für Swap Dealer eingeführt, da weder eine eindeutige Zuordnung zur Gruppe der Hedger noch zu der der Spekulanten möglich ist.

 

Wer verbirgt sich hinter der so geheimnisvoll klingenden Bezeichnung »Swap Dealer«?

 

Meist sind es Großbanken bzw. deren Ableger oder Tochterunternehmen anderer Finanzdienstleister, die ihren Geschäftszweck in der Stellung von Festpreisen für die Swaps und dem Abschluss maßgeschneiderter Transaktionen für Hedger und Spekulanten sehen. Viele der international agierenden Investmentbanken wie Goldman Sachs oder die Deutsche Bank spielen eine wichtige Rolle in diesem Markt. Aufgrund der zukünftig von vielen Marktteilnehmern erwarteten weiteren hervorragenden Wachstumsperspektiven mit entsprechend hohen Gewinnmargen wird davon ausgegangen, dass die Anzahl der auf diesem Gebiet aktiven Handelsadressen weiter zunehmen wird.

Volltextsuche

Neu Im Fokus
Aktueller Chart
  • Absatzrekord für Daimler!
  • Hält der GD200?
  • Ist die Aktie jetzt fair bewertet?

Einfache Handelsstrategien mit CoT-Reports