Das Price Earnings Ratio (P/E Ratio), im Deutschen meist als Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bezeichnet, gehört zu den am häufigsten verwendeten Bewertungskennzahlen an den Finanzmärkten. Es zeigt auf einen Blick, wie viele Jahre ein Unternehmen rein rechnerisch benötigen würde, um seinen aktuellen Börsenwert über die erwirtschafteten Gewinne einzuspielen – vorausgesetzt, diese Gewinne bleiben konstant. Damit dient das P/E Ratio Anlegern als Orientierungshilfe, um einzuschätzen, ob eine Aktie vergleichsweise teuer, fair bewertet oder günstig erscheint.
Das P/E Ratio ergibt sich aus dem Verhältnis von Aktienkurs und Gewinn je Aktie (Earnings per Share, EPS). Es lässt sich daher leicht berechnen:
P/E Ratio = Aktienkurs / Gewinn je Aktie
Notiert eine Aktie beispielsweise bei 100 Euro und erzielt einen Gewinn je Aktie von 5 Euro, ergibt sich ein P/E Ratio von 20. Das bedeutet, der Markt ist bereit, das 20-Fache des Jahresgewinns für diese Aktie zu bezahlen. Ein P/E Ratio von 20 wird häufig als „neutraler“ Richtwert verstanden, wobei der tatsächliche Vergleich immer branchenabhängig erfolgen sollte. Technologieunternehmen wie Microsoft können strukturell höhere Bewertungen aufweisen, während klassische Industrieunternehmen oft niedrigere Multiples haben.
Die Popularität dieser Kennzahl erklärt sich durch ihre Einfachheit und Aussagekraft. Mit nur zwei Zahlen – Kurs und Gewinn – lässt sich schnell ein Gefühl für die Marktmeinung gewinnen: Ein hohes P/E Ratio signalisiert in der Regel hohe Wachstumserwartungen oder ein sehr stabiles Geschäftsmodell. Ein niedriges P/E Ratio kann dagegen auf eine günstige Bewertung schließen lassen, aber auch Ausdruck temporärer Probleme oder rückläufiger Gewinne sein.
Anleger nutzen das P/E Ratio häufig, um Aktien derselben Branche oder dieselbe Aktie über unterschiedliche Zeiträume miteinander zu vergleichen. Auf diese Weise lassen sich Übertreibungen erkennen oder langfristige Trends ableiten. Beispielsweise kann ein dauerhaft steigendes P/E Ratio darauf hindeuten, dass der Markt dem Unternehmen zunehmend mehr Vertrauen schenkt.
Ob ein P/E Ratio „hoch“ oder „niedrig“ ist, hängt stark von der jeweiligen Branche ab. Wachstumssektoren wie Software, erneuerbare Energien oder Biotechnologie neigen zu deutlich höheren Bewertungskennzahlen als etwa der Finanz- oder Versorgersektor. Deshalb ist der Vergleich quer über Branchen hinweg nur bedingt sinnvoll.
Wichtig ist außerdem, dass das P/E Ratio nur dann aussagekräftig ist, wenn das Unternehmen tatsächlich Gewinne erzielt. Bei Verlusten wird die Kennzahl unbrauchbar. Zudem basiert das P/E Ratio häufig auf vergangenen Gewinnen – diese müssen jedoch nicht zwingend die künftige Entwicklung widerspiegeln. Aus diesem Grund greifen professionelle Investoren oft auf verschiedene Varianten wie Forward-P/E (basierend auf erwarteten Gewinnen) oder Shiller-P/E (geglättete Gewinne über 10 Jahre) zurück.
Ein weiterer Kritikpunkt besteht darin, dass manipulative Bilanzierung oder einmalige Sondereffekte die Gewinne verzerren können. Auch Zinsniveau und Marktstimmung beeinflussen das P/E Ratio erheblich, sodass es stets im Gesamtmarkt-Kontext interpretiert werden sollte.
Ein Anleger könnte zwei Unternehmen vergleichen, die in derselben Branche tätig sind. Angenommen, Unternehmen A weist ein P/E Ratio von 15 auf, während Unternehmen B ein P/E Ratio von 30 besitzt. Ohne weitere Informationen würde Unternehmen A als günstiger erscheinen. Erst die Kombination mit Umsatzwachstum, Margenentwicklung und Bilanzstruktur zeigt jedoch, ob dieser Bewertungsabschlag gerechtfertigt ist.
Ein weiteres Beispiel ist die historische Betrachtung: Wenn ein Unternehmen traditionell mit einem P/E Ratio von etwa 18 bewertet wird, aktuell aber bei 25 liegt, könnte dies ein Hinweis auf gestiegene Erwartungen – oder auf eine mögliche Überbewertung – sein. Umgekehrt kann ein temporär niedriges P/E Ratio auf eine Einstiegschance hinweisen, sofern die Fundamentaldaten stabil bleiben.
Das Price Earnings Ratio ist eine zentrale Kennzahl der Aktienanalyse, weil es schnell und verständlich die Bewertung eines Unternehmens aus Marktperspektive abbildet. Richtig eingesetzt – also innerhalb derselben Branche, im historischen Vergleich und stets unter Einbeziehung weiterer Finanzkennzahlen – liefert es wertvolle Hinweise auf Chancen und Risiken einer Anlageentscheidung. Besonders für langfristige Investoren ist das P/E Ratio ein unverzichtbares Instrument, um Marktstimmung, Bewertung und Wachstumserwartungen strukturiert einzuordnen.