Die tägliche Neubewertung ist ein zentraler Begriff im Finanz- und Börsenwesen, insbesondere im Zusammenhang mit Derivaten wie Futures und Optionen. Sie bezeichnet den Prozess, bei dem alle offenen Positionen am Ende eines Handelstages auf Basis des aktuellen Marktpreises neu bewertet werden. Ziel ist es, die Gewinn- und Verlustsituation der Anleger sowie die erforderlichen Sicherheiten (Margin) transparent zu machen und das Risiko von unerwarteten Nachschusspflichten zu minimieren.
Die tägliche Neubewertung dient primär der Risikokontrolle. An der Börse wird jeder Handelskontrakt täglich auf seinen aktuellen Marktwert überprüft. Daraus ergeben sich tägliche Gewinne oder Verluste, die direkt auf dem Handelskonto der Marktteilnehmer verbucht werden. Dies verhindert, dass Verluste über mehrere Tage unentdeckt bleiben und sorgt für eine höhere Sicherheit für alle Marktteilnehmer.
Die Berechnung erfolgt in der Regel auf Grundlage des täglichen Abrechnungspreises eines Kontrakts. Zum Beispiel bei DAX-Futures wird der Preis, zu dem die Position am Ende des Handelstages abgerechnet wird, als Basis verwendet. Ein Anleger, der einen Future auf die Siemens-Aktie hält, sieht somit täglich, ob seine Position im Plus oder Minus liegt. Auf Basis dieses Preises werden die Margin-Konten angepasst und mögliche Nachschusspflichten ermittelt.
Ein typisches Beispiel ist ein Rohstoff-Future auf Öl. Hält ein Händler eine Long-Position, steigt der Ölpreis im Laufe des Tages. Die tägliche Neubewertung sorgt dafür, dass der Gewinn sofort auf dem Konto des Händlers gutgeschrieben wird. Umgekehrt gilt: Fällt der Ölpreis, wird der Verlust sofort berücksichtigt. Dies schafft Transparenz und verhindert, dass unerwartete Kurseinbrüche am Ende der Laufzeit zu finanziellen Schwierigkeiten führen.
Ein weiteres Beispiel ist der Handel mit Währungsfutures, wie etwa auf den Euro gegenüber dem US-Dollar. Tägliche Neubewertung ermöglicht es, den aktuellen Wert der Position zu ermitteln, sodass Währungsrisiken frühzeitig erkannt und abgesichert werden können.
Ein Nachteil der täglichen Neubewertung ist, dass sie in volatilen Märkten zu kurzfristigen Nachschusspflichten führen kann. Besonders bei großen Positionen können kleine Kursschwankungen signifikante Auswirkungen auf die Margin-Konten haben. Zudem kann sie den Handel für weniger erfahrene Anleger komplexer machen, da sie täglich überwacht werden muss.
Die tägliche Neubewertung ist ein unverzichtbares Instrument im modernen Börsenhandel, das Transparenz, Sicherheit und Risikomanagement gewährleistet. Sie sorgt dafür, dass Gewinne und Verluste zeitnah erfasst werden und dass die erforderlichen Sicherheiten für offene Positionen jederzeit bekannt sind. Trotz der Herausforderungen in volatilen Märkten bleibt sie ein Schlüsselmechanismus zur Stabilisierung von Finanzmärkten und zur Absicherung der Marktteilnehmer.