Bayer: Neuer Ärger, weitere Kursverluste

Montag, 13.05.19 15:54
Dauerbaustelle Bayer: Neben der rollenden Glyphosat-Klagewelle sorgt Tochter Monsanto nun in Frankreich mit einer geheimen Liste für Aufsehen, auf der angeblich die Namen von rund 200 Journalisten, Wissenschaftlern und Abgeordneten stehen. Diese sollen sich kritisch über Monsantos Produkte geäußert haben und müssten deshalb - falls nötig -  umgestimmt werden. Bayer räumte gestern ein, dass dieses Vorgehen ethisch und möglicherweise auch rechtlich bedenklich sei und bat um Verzeihung: „Dies ist nicht die Art, wie Bayer den Dialog mit unterschiedlichen Interessengruppen und der Gesellschaft suchen würde. Wir bitten daher um Entschuldigung.“ Der tatsächlich durch die “Blacklist” verursachte Schaden dürfte sich für Bayer in Grenzen halten. Schlimmer ist jedoch deren negativer Einfluss auf das ohnehin angeknackste Image des Chemie- und Pharmakonzerns und dessen Sorgenkind Monsanto.

Klagewelle und Misstrauensvotum
In den USA sieht sich Bayer einer gigantischen Klagewelle von derzeit mehr als 13.400 Glyphosat-Geschädigten gegenüber, die den Konzern bezichtigen, die möglicherweise krebserregende Nebenwirkung des Unkrautvernichters arglistig verschwiegen zu haben. In zwei Fällen wurden den krebskranken Klägern vor Gericht bereits jeweils 80 Millionen Dollar Schadensersatz zugesprochen. Ein dritter Prozess wird heute verhandelt. Falls auch dieser zugunsten der Geschädigten ausfällt, könnten sowohl Anwälte als auch potenzielle Opfer ihre Forderungen gegen Bayer / Monsanto hochschrauben. Ein Analyst von JPMorgan schätzt, dass auf den Konzern Belastungen von fünf Milliarden Euro zukommen könnten. Bayer hat bislang eine Milliarde Euro für die Folgen der Rechtsstreitigkeiten auf die hohe Kante gelegt.

Seit der 63,5 Milliarden Dollar schweren Monsanto-Übernahme hat die Bayer-Aktie über die Hälfte an Wert verloren und momentan lässt sich nicht absehen, welche Auswirkungen die laufende Klagewelle noch auf den Aktienkurs des Konzerns haben wird. Verständlich, dass Investoren ihrem Ärger auf der Bayer-Hauptversammlung Ende April Luft machen mussten. Sie kritisiert, das Management habe bei der Monsanto-Übernahme mögliche Risiken nicht ausreichend geprüft. Was folgte, war eine Sensation: In einer historischen Abstimmung wurde erstmals einem Dax-Vorstand die Entlastung verweigert.

Firmenteile versilbern
Um das nahezu unkalkulierbare Monsanto-Risiko abzufedern und Aktionäre wieder zurück ins Boot zu holen, muss sich Konzernchef Werner Baumann in den kommenden Monaten darauf konzentrieren, Bayer zumindest operativ am Laufen zu halten. Zum Beispiel mit der Versilberung von strategisch nicht mehr relevanten Firmenteilen. So arbeitet Bayer mit Hochdruck am Verkauf des Chemieparkbetreibers Currenta, an dem der Agrarchemie- und Pharmakonzern 60 Prozent hält. Auch Bayers Tiermedizin-Sparte könnte bis Anfang nächsten Jahres den Besitzer wechseln.

Beide Teilverkäufe würden Bayer Milliarden in die Kassen spülen, die zur Stärkung der Monsanto-geschwächten Bilanz verwendet werden sollen. Aus den genannten Gründen ist die Bayer-Aktie aktuell ein hoch-spekulatives Investment, von dem langfristig orientierte Anleger besser die Finger lassen sollten. Denn: In der Chemie- und Pharmabranche tummeln sich auch einige, langfristig äußerst erfolgreiche Champions-Aktien! Die - im Gegensatz zur Bayer-Aktie - eine mindestens zehnjährige, “gesunden” Kurshistorie und besonders geringe Rücksetzer aufweisen. Welche insgesamt 100 Champions das sind, erfahren Sie in Ihrer aktuellen Aktienbrief-Gratisausgabe!

Ich wünsche Ihnen einen entspannten, erfolgreichen Börsentag,

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