HelloFresh: Deshalb kocht die Aktie auf Sparflamme

Mittwoch, 06.03.19 15:20
Die HelloFresh-Aktie erlebte heute eine turbulente Achterbahnfahrt: Zu Handelsbeginn gewann das Wertpapier vorübergehend rund 4,5 Prozent, nachdem der Kochbox-Abodienst schmackhafte Zahlen geliefert hatte. Im Handelsverlauf verlor HelloFresh jedoch rasant an Wert und notierte gegen Mittag mit -3 Prozent (9,30 Euro) deutlich unter dem Ausgabepreis von 10,25 Euro. Eine gute Gelegenheit, die erst seit Dezember 2017 an der Börse gelistete Rocket Internet-Beteiligung genauer unter die Lupe zu nehmen...

HelloFresh liefert
Im vergangenen Jahr legte der Umsatz dank deutlich steigender Kundenzahlen um 41 Prozent auf 1,28 Milliarden Euro zu. Währungsbereinigt betrug das Wachstum knapp 47 Prozent. Zwar schreibt HelloFresh noch rote Zahlen, doch Unternehmenschef Dominik Richter gibt sich optimistisch und geht davon aus, im laufenden Jahr operativ die Gewinnschwelle zu erreichen. Denn immerhin sankt 2018 der um Sondereffekte bereinigte Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 22 Prozent auf 54,5 Millionen Euro. Und weil sich mittlerweile rund zwei Millionen aktive Kunden (Tendenz steigend) für das in Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Australien, Österreich, der Schweiz, Kanada und Neuseeland etablierte Abo-Modell begeistern, könnte HelloFresh Mitbegründer und CEO Dominik Richter mit seiner “Break Even”-Prognose recht behalten.
Einen Wermutstropfen müssen Aktionäre heute dennoch “verdauen”: HelloFresh wird 2019 vermutlich langsamer wachsen, als bisher: Für 2019 erwartet das Unternehmen beim Erlös ein Anstieg um “nur” 25 bis 30 Prozent.

Convenience ist King
Anleger fragen sich heute zurecht, ob HelloFresh’s Kochboxen auch langfristig ein Erfolgsrezept sind. Werfen wir deshalb zunächst einen Blick auf das Geschäftsmodell der Berliner. HelloFresh bedient eine Zielgruppe, die entweder keine Zeit, keine Gelegenheit oder keine Lust zum Einkaufen und Kochen hat. Das ist für Kunden, die dem nervigen Supermarktbesuch nach Feierabend entgehen wollen und / oder einfach zu müde zum Kochen sind, sicher ein Pluspunkt. Allerdings ist ein HelloFresh-Abo auch äußerst unflexibel, denn die wöchentlich vorab definierte “Veggie”, “Classic” oder “Family” Boxen lassen keinen Raum für spontane Essensgelüste wie Currywurst oder Pommes. Stattdessen beinhalten die gekühlt gelieferten Boxen sowohl Rezepte, als auch alle Zutaten für zwei, drei oder vier Mahlzeiten pro Tag. Und das zum “satten” Preis von rund vier bis sieben Euro pro Teller. Wehe dem, der verhindert oder krank ist oder gar auf die Idee kommt, die sieben Euro lieber in eine Pizza vom Italiener um die Ecke zu investieren! Dann wird die Koch-Box schnell zum sehr teuren Vergnügen.

HelloFresh profitiert zwar von der Kauf- und Koch-Unlust erfolgreicher Paare und Kleinfamilien, die sich mit dem Mahlzeit-Abo ein wenig “Quality Time” erkaufen. Doch genau darin liegt die Krux: Vermutlich wird vielen Abonnenten irgendwann deutlich, dass sie für einen Bruchteil der 15 bis 30 Euro, die eine Vier Personen-Mahlzeit bei HelloFresh kostet, selbst kochen könnten. Und unterm Strich sogar dann noch günstiger - und flexibler - dinieren, wenn sie ab und zu mal beim Lieferservice ihrer Wahl bestellen. Der bringt dann statt einer Box Rohkost mit Rezepten immerhin ein fertig zubereitetes Gericht...

Lebensmittel haben immer Saison. Kochboxen möglicherweise nicht. Deshalb sollten sich Aktionäre für die langfristige Vermögensbildung besser defensive Werte in den “Einkaufskorb” legen, statt sich an “angesagten” Wertpapieren wie HelloFresh den Magen zu verderben. Wie wärs zum Beispiel mit dem Top-Defensiv-Champion Nestlé, dem weltgrößten Nahrungsmittelkonzern, der seit rund 150 Jahren Menschen rund um den Globus mit Wasser und Lebensmitteln “beliefert”? Nestlé und 99 weitere Champions, die seit mindestens zehn Jahren hohe Renditen und geringe Rücksetzer aufweisen, finden sie in Ihrer aktuellen Aktienbrief-Gratisausgabe!

Ich wünsche Ihnen einen entspannten, erfolgreichen Börsentag,

Ihre Miss boerse.de
Miss boerse.de liest lieber Wirtschaftszeitungen als Illustrierte und kauft Amazon-Aktien statt neuer Schuhe. Unsere Autorin schreibt in ihrer Kolumne tagesaktuell über Ereignisse aus der...
© 1994-2019 by boerse.de - Quelle für Kurse und Daten: ARIVA.DE AG - boerse.de übernimmt keine Gewähr