Softbank Corp. - IPO: Zweistellige Verluste am ersten Handelstag

Mittwoch, 19.12.18 11:48
Wer hätte das gedacht? Der als “womöglich größter Tech-IPO des Jahres” angekündigte Börsengang der japanischen Softbank-Mobilfunktochter lieferte am heutigen, ersten Handelstag eine enttäuschende Vorstellung. Mit einem Volumen von 20,7 Milliarden Euro war der IPO zwar der größte 2018, doch nicht gerade der erfolgreichste. Das Papier der Softbank Corp. notierte an der Heimatbörse in Tokio zum Auftakt mit 1463 Yen und lag damit um 2,5 Prozent unterhalb des Ausgabepreises von 1500 Yen. Im weiteren Handelsverlauf verlor der Börsenneuling zeitweise über 14 Prozent an Wert.

Harte Landung für Softbank
Das hatte sich Softbank-Gründer Masayoshi Son sicher anders vorgestellt. Mit der Platzierung von 37 Prozent der Mobilfunktochter Softbank Corp. - dem Urgestein des Softbank-Imperiums - will der japanische Milliardär das Wachstum des Konglomerats vorantreiben. Sein Plan sieht vor, frisches Geld einzusammeln, um damit einerseits Schulden zu tilgen und andererseits weitere Zukäufe zu tätigen. Masayoshi Son dürfte zwar trotz der Kursverluste seine Schäfchen im Trockenen haben, muss aber eventuell kleinere Brötchen backen als geplant und das angeknackste Vertrauen der Investoren zurückgewinnen, das möglicherweise schon vor dem IPO ein paar Risse hatte. Das schwache Marktumfeld, Sorgen wegen staatlich angeordneter Mobilfunk-Gebührensenkungen, ein folgenschwerer Netzwerkausfall sowie image-schädigende Verbindungen zu Huawei machten Anleger zögerlich. Und verdarben Softbank Corp. schlussendlich das glanzvolle Börsendebüt.

Eine Aktie, 1000 Möglichkeiten
Auch die geschäftliche Nähe zu Saudi-Arabien brachte Softbank in den vergangenen Wochen viel Kritik ein. Masayoshi Son’s Imperium besteht aus vier Geschäftsbereichen (Mobilfunk, Energie, Internet, Robotik) und einem 100 Milliarden Dollar schweren Beteiligungsfonds mit dem Namen “Vision Fund”. Dessen größter Investor ist Saudi-Arabien. Das Land ist über den Staatsfonds Public Investment Funds (PIF) mit 45 Milliarden Dollar beteiligt. Softbank selbst steuert rund ein Drittel bei.

Vision Fund investiert primär in sogenannte “Unicorns”, also Startups, die eine Bewertung von mehr als eine Milliarde Dollar erzielen. Darunter finden sich momentan schillernde Namen wie Uber, Alibaba, Nvidia, Auto1 und WeWork. Allesamt visionäre, wenn auch größtenteils noch defizitäre Unternehmen.

Wie die Töchter, so die Mutter: Auch auf Softbank lastet ein Schuldenberg von rund 158 Milliarden Dollar. Den nimmt Masayoshi Son aber als notwendiges Übel in Kauf, denn die digitale Revolution, auf die sich der Konzern voll und ganz verlässt, verlangt schließlich ihren Tribut. Und was sind schon ein paar Verluste, wenn man wie Son ein Imperium aufbaut, das “300 Jahre lang wachsen werde”?

Wir von boerse.de vertrauen da lieber auf Unternehmen mit einer mindestens zehnjährigen, erfolgreichen Kurshistorie, wobei sich Vision und Tradition keineswegs ausschließen müssen: Im druckfrischen boerse.de-Aktienbrief finden Sie 100 Champions-Aktien, die allesamt mit überdurchschnittlichen, langfristigen Renditen und geringen Rücksetzern punkten. Darunter auch ein mächtiger “chinesischer Softbank Rivale”...

Ich wünsche Ihnen einen entspannten, erfolgreichen Börsentag,

Ihre Miss boerse.de
Miss boerse.de liest lieber Wirtschaftszeitungen als Illustrierte und kauft Amazon-Aktien statt neuer Schuhe. Unsere Autorin schreibt in ihrer Kolumne tagesaktuell über Ereignisse aus der...
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