Aurora Cannabis im Höhenflug: Kommt jetzt der Coca Cola-Deal?

Mittwoch, 19.09.18 13:59
Eine für viele Anleger wohl etwas gewöhnungsbedürftige Branche sorgt diese Woche für Schlagzeilen: Der Aktienkurs von Aurora Cannabis, einem kanadischen Marihuana-Hersteller, stieg innerhalb der vergangenen sieben Tage um 22 Prozent. Hintergrund des Kursfeuerwerks war eine Meldung von BNN Bloomberg, wonach die Kultmarke Coca Cola mit Aurora Cannabis ernsthafte Gesprächen über die Herstellung eines neuen Getränkes führt. Man schaue sich die Entwicklung am wachsenden Markt mit Marihuana versetzten Getränken genau an, teilten Coca Cola und Aurora in getrennten Erklärungen mit.

Wer darauf hofft, dass demnächst die legale High-Brause im Supermarktregal steht, den müssen wir leider enttäuschen: Coca Cola und Aurora Cannabis diskutieren die Entwicklung eines Softdrinks mit dem Marihuana-Wirkstoff Cannabidiol (CBD). Im Gegensatz zum stimulierenden THC, dem Wirkstoff, der Cannabiskonsumenten zum Joint greifen lässt, hat CBD eine angeblich entzündungshemmende, schmerzlindernde, muskellockernde und blutzuckersenkende Wirkung ohne Suchtpotenzial, der in Deutschland nicht im Betäubungsmittelgesetz aufgeführt ist. Trinken wir also bald eine “gesundheitsfördernde” Hanf-Cola, statt einer koffeinhaltigen Coca Cola? Gut möglich, denn Cannabis befindet sich auf rasantem Wege vom Randgruppen- zum Massenprodukt.

Trendprodukt Cannabis
In den vergangenen Jahren hat sich auf dem ehemaligen Nischenmarkt einiges getan: Aufgrund der medizinisch anerkannten Wirkung von Marihuana und dem Bestreben, Freizeit-Konsumenten nicht mehr zum Kauf im Halbdunkel zu zwingen, wird der Cannabiskonsum in immer mehr Ländern legalisiert. Neben den “toleranten” Niederlanden ist der Griff zum Joint seit 2012 auch in Washington und Colorado legal, Kalifornien und Kanada folgen im Lauf des Jahres. Marktbeobachter schätzen, dass bis 2020 insgesamt 18 US-Bundesstaaten den Freizeitkonsum freigeben werden – in 29 ist medizinisches Cannabis bereits erlaubt.

Ein Milliardenmarkt, bei dem laut mancher Analysten bis 2028 47 Milliarden Dollar pro Jahr erwirtschaftet werden könnten. Wenn die Legalisierung weltweit voranschreitet, könnte die Marihuana-Industrie eine berauschende Aufholjagd zu etablierten Softdrink-, Bier- und Spirituosenherstellern starten. Denn sowohl zuckerhaltige, als auch alkoholische Getränke haben gerade bei der jungen Zielgruppe in den vergangenen Jahren an Prestige verloren. Beide ungesunden Dickmacher passen nicht mehr zum Gesundheits- und Fitnessbewußtsein der Millennials, die vermehrt zum aromatisierten Wasser oder Light-Bier greifen. Da der Wunsch nach Rausch oder Entspannung aber in jedem von uns schlummert, könnten THC oder CBD-haltige Genussmittel durchaus Perspektive haben. Und falls der Durchbruch gelingt, wollen die Großen der Branche natürlich von Anfang an dabei sein...

Berauschende Zukunftsaussichten?
Neben Coca Cola setzen deshalb auch einige Brauerei-Riesen auf “Gras” im Glas. So investierte boerse.de-Defensiv-Champion Constellation Brands (Corona) kürzlich 3,8 Millionen US-Dollar in den kanadischen Cannabis-Züchter Canopy Growth Corp. Der niederländische Bierbrauer Heineken brachte Ende Juni mit seiner Tochtergesellschaft Lagunitas, einem kalifornischen Craft-Brauer, ein alkoholfreies, THC-haltiges Getränk namens “Hi Fi Hops” auf den Markt. Ob wir uns in Deutschland jemals dem Feierabendbier der anderen Art hingeben können, ist momentan noch schwer absehbar. Zwar wird die Legalisierung von Cannabis auch hierzulande politisch kontrovers diskutiert, doch bislang darf die Droge nur zu medizinischen Zwecken angebaut und vertrieben werden.

Auch Cannabis-Aktien hatten in den vergangenen Monaten mit kräftigem Gegenwind vonseiten der Regulierer zu kämpfen: Erst sollte der Handel mit Marihuana-Papieren an der Deutschen Börse komplett eingestellt werden. Doch jetzt sieht alles danach aus, als ob Aktien von Unternehmen, die medizinisches Cannabis herstellen, auch weiterhin gelistet bleiben.

Aurora Cannabis ist mit einer Gesamtperformance von +7.562 Prozent seit dem Börsengang 2014 eine große Versuchung für risikofreudige Spekulanten. Für die langfristige Vermögensbildung sind “berauschende” Aktien aufgrund ihrer unsicheren Zukunftsaussichten zwar nicht geeignet, doch gegen einen verantwortungsbewussten Mischkonsum ist auch im Fall von Cannabis-Aktien wenig einzuwenden - wenn die Basis stimmt! Solange ihr Wertpapierdepot primär aus langfristig erfolgreichen Werten, wie den 100 boerse.de-Aktienbrief-Champions besteht, dürfen Sie guten Gewissens hie und dar eine risikofreudige Depotbeimischung wagen...

Ich wünsche Ihnen einen entspannten, erfolgreichen Börsentag,

Ihre Miss boerse.de
Miss boerse.de liest lieber Wirtschaftszeitungen als Illustrierte und kauft Amazon-Aktien statt neuer Schuhe. Unsere Autorin schreibt in ihrer Kolumne tagesaktuell über Ereignisse aus der...
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