Börsen-Crashes und risikoreduziertes Investieren Teil 1: Gewinne versus Verluste

Freitag, 08.07.22 11:52
Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

am 12. Mai dieses Jahres war es endlich wieder soweit! Nachdem wir uns im Oktober 2021 über eine fulminante Auftaktveranstaltung für unsere Vortragsreihe „Rosenheimer Investorenabend“ freuen konnten, waren wir coronabedingt gezwungen, alle bereits vollständig ausgebuchten Nachfolgeveranstaltungen bis Ende 2021 zu stornieren. Aber wie gesagt, am 12. Mai konnten wir den Faden wieder aufnehmen und mit den Rosenheimer Investorenabenden fortfahren. Und ebenso wie diese Veranstaltung waren auch die nachfolgenden, bis auf den letzten Platz ausgebuchten, Termine am 25. Mai sowie am 15. Juni dieses Jahres ein voller Erfolg! Es hat mir eine außerordentliche Freude bereitet, bis spät in die Nacht hinein mit unseren Besuchern zu diskutieren und Erfahrungen auszutauschen.

Risikoreduziertes Investieren – „mein“ Thema



Im Rahmen der Rosenheimer Investorenabende habe ich das besondere Vergnügen, über mein absolutes Lieblingsthema – das risikoreduzierte Investieren – referieren zu dürfen. Dieses Thema beschäftigt mich seit über 20 Jahren sowohl in meinem akademischen Wirken, aber insbesondere auch im Rahmen meiner Tätigkeit in der Investmentpraxis. Auftakt hierzu war ein im Jahre 2002 in der Zeitschrift „Die Bank“ veröffentlichter Artikel mit dem Titel „Aktien oder Renten? – Die Best of Two-Strategie“. In diesem Beitrag habe ich gemeinsam mit meinem damaligen Geschäftspartner Dr. Christian Schlenger eine von uns beiden entwickelte, wissenschaftlich fundierte Anlagestrategie zum „risikoreduzierten Investieren“ erstmalig vorgestellt. Diese rein systematisch und regelgebunden agierende Strategie ist anschließend nicht nur in der Investmentpraxis zu großer Popularität gelangt, sondern hat auch Eingang in diverse Fachzeitschriften und Lehrbücher zur Kapitalanlage gefunden.

Mein persönliches Anliegen …



Da ich auf den Rosenheimer Investorenabenden leider meinen Vortrag getreu dem Motto „in der Kürze liegt die Würze“ auf max. 20 Minuten begrenzen muss, habe ich mich entschlossen, diesem weit mehr als abendfüllenden Thema eine mehrteilige Kolumnenreihe zu widmen. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der dem boerse.de-Weltfonds und dem boerse.de-Depotmanagement zugrundeliegenden vierstufigen Anlagestrategie, die sich das Thema „Risikoreduktion“ auf die Fahnen schreibt. Mir ist besonders wichtig, genau zu erklären, warum diese Anlagestrategie genauso konzipiert wurde, wie sie eben ist und nicht anders. Vor diesem Hintergrund möchte ich Ihnen in dieser Artikelserie auch erläutern, warum wir auf bestimmte Ansätze zur Risikoreduktion bewusst verzichten, auch wenn sie im aktuellen Marktumfeld bisher vergleichsweise gut funktioniert haben. 

Und um was geht es nun konkret?



Kurz zusammengefasst, möchte ich in dieser mehrteiligen Kolumnenreihe schwerpunktmäßig folgende Themenbereiche abdecken: 

• Warum bzw. unter welchen Rahmenbedingungen ist risikoreduziertes Investieren wichtig?

• Welche Börsen-Crashes hat es in den vergangenen 20 Jahren gegeben und welche Verluste sind dabei real eingetreten?

• Wie ist der bisherige Kursrückgang im aktuellen Jahr im Vergleich zu historischen Kurseinbrüchen zu sehen?

• Welche Ansätze setzen wir zur Risikoreduktion bewusst nicht ein, und was sind die Gründe hierfür?

• Warum wird im boerse.de-Weltfonds der wissenschaftlich fundierte vierstufige Ansatz zur Risikoreduktion eingesetzt?

• In welchen schwierigen Marktphasen funktioniert die Risikoreduktion des vierstufigen Ansatzes besonders gut und in welchen weniger?

Ich habe mir zum Ziel gesetzt, auf all diese Punkte in der gebotenen Tiefe einzugehen. Sollten mir spontan noch wichtige Aspekte einfallen, dann werden werde ich Ihnen natürlich auch diese nicht vorenthalten. Also: „Let’s start“ …

Warum ist risikoreduziertes Investieren wichtig?



Die Bedeutung des risikoreduzierten Investierens lässt sich am besten am folgenden kleinen Zahlenbeispiel veranschaulichen. Angenommen, Sie besitzen 100 Euro. Nach einem Verlust von 50% Prozent werden aus den 100 Euro nur noch 50 Euro. Um nun nach dem 50%-Verlust wieder auf den ursprünglichen Kapitaleinsatz von 100 Euro zu kommen, ist eine Verdoppelung erforderlich, was einem Gewinn von 100% entspricht. Gewinne und Verluste wirken also asymmetrisch. Um diese Asymmetrie näher zu analysieren, sind in der nachfolgenden Grafik Verluste und die zugehörigen Gewinne, die für einen vollständigen Verlustausgleich erforderlich sind, aufgeführt. 


Wie aus der Abbildung ersichtlich ist, erfordert ein Verlust von 10% einen Gewinn von ca. 11%, um den Verlust wieder auszugleichen. Aus der Grafik lässt sich auch klar die Asymmetrie erkennen. So ist beispielsweise bei einem Rückgang von 40% bereits ein Gewinn von 67% für den Verlustausgleich erforderlich. Und interessant wird die Sache jenseits eines 50%igen Verlusts. So ist bei einem Kurssturz von 60% bereits ein Gewinn von 150% zur Erreichung der Einstandskurse erforderlich, und bei 70% sind es gar 233%.

Unter welchen Rahmenbedingungen ist risikoreduziertes Investieren nun besonders wichtig?



Die Vergangenheit hat uns gelehrt, dass jegliche Verluste am Aktienmarkt immer wieder aufgeholt wurden. Entscheidend ist nur, über welche Zeitspanne sich die Verlustaufholung erstreckt. Wenn man sich vor Augen führt, dass bei einem Verlust von 50% ein Gewinn von 100% bzw. bei einem Rückgang von 60% eine Wertaufholung von 150% von Nöten sind, dann kann man sich gut vorstellen, dass in dieser Größenordnung mit hoher Wahrscheinlichkeit ein dementsprechend langer Zeitraum für die Wiedererreichung der Einstandskurse erforderlich ist. Vor diesem Hintergrund dürfte der Anlagehorizont für den ein oder anderen Anleger im Ruhestand durchaus ein wichtiger Aspekt der Kapitalanlage sein. Jedoch ist ein zeitlich überschaubarer Anlagehorizont nicht nur für Anleger im Ruhestand relevant. Die Gründe für einen zeitlich begrenzten Anlagezeitraum und die daraus resultierende Präferenz zur Vermeidung hoher Verluste sind vielschichtig und können unterschiedlichster Natur sein. 

Und so geht’s weiter …



Nachdem dieser Beitrag einen Überblick über die asymmetrische Wirkung von Gewinnen und Verlusten vermittelt, stellt sich in einem nächsten Schritt die Frage, mit welchen realen Kursrückgängen am Aktienmarkt denn gerechnet werden muss. Hierzu werden im nachfolgenden Beitrag der Reihe „Börsen-Crashes und risikoreduziertes Investieren“ historische Kursverläufe wichtiger Aktienmarktindizes startend ab Januar 2000 per heute analysiert. Dieser Zeitraum umfasst nicht nur Aufwärts-, Abwärts- und Seitwärtsphasen, sondern auch handfeste Aktienmarkt-Crashes, wie z.B. die Technologieblase, die Finanzmarktkrise oder den Corona-Einbruch. Wie gesagt, mehr hierzu dann aber im nächsten Editorial.

Apropos Börsen-Crashes. Wie eingangs erläutert, wird dieses Themengebiet auch im Rahmen meines Vortrags auf den Rosenheimer Investorenabenden beleuchtet. Sollten Sie diese Veranstaltungsreihe noch nicht kennen, so kann ich Sie nur ermuntern, sich für einen der nächsten Investorenabende zu registrieren. Ich würde mich jedenfalls sehr freuen, Sie mal auf einer unserer Veranstaltungen persönlich kennenzulernen. 

Auf bald,
Ihr Hubert Dichtl


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