Aktienrückkäufe: Warum Unternehmen Aktien zurückkaufen und wie Investoren davon profitieren können

Freitag, 15.03.19 10:18



Definition Aktienrückkäufe:

Bei einem Aktienrückkauf sammelt eine Aktiengesellschaft an der Börse (manchmal auch außerbörslich) eigene Anteilsscheine wieder ein. Durch den Rückkauf vermindert sich die Zahl der im Umlauf befindlichen Aktien. In Deutschland ist ein Rückkauf eigener Aktien von bis zu 10% des Grundkapitals gesetzlich erlaubt, wobei der Aktienrückkauf erst von der Hauptversammlung genehmigt werden muss.

 

Aktienrückkäufe haben im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand erreicht: Allein die 500 größten US-Firmen erwarben 2018 eigene Aktien im Wert von 800 Milliarden Dollar; dieses Jahr soll sogar die Ein-Billion-Marke geknackt werden. Ein Trend, der auch auf europäische Unternehmen “abfärbt”. Im abgelaufenen Jahr haben deutsche Firmen für 8,6 Milliarden Euro eigene Aktien zurückgekauft - so viel wie zuletzt vor der Finanzkrise. Linde, Adidas, Siemens und zahlreiche weitere, börsennotierte Unternehmen kündigten teils historisch hohe Aktienrückkäufe an. Und scheinen dabei Börsen-Schwergewichten wie Apple oder IBM nachzueifern. Beide Konzerne betreiben schon seit Jahren Rückkaufprogramme im großen Stil: Apple zog innerhalb von nur vier Jahren 20 Prozent, IBM innerhalb von 25 Jahren rund 50 Prozent der auf dem Markt befindlichen Aktien wieder ein.

 

Aktienrückkäufe sind in den Augen mancher Investoren eine willkommene Kurspflege, kritische Stimmen deuten sie jedoch als ein ernstzunehmendes Warnsignal. Ein guter Grund, die Vor- und Nachteile der populären Rückkäufe einmal näher zu beleuchten:

 

Nachteile von Aktienrückkäufen

Dass der vorhergehende Rückkauf-Rekord aus dem Jahr 2007 - kurz vor Ausbruch der Finanzkrise - datiert, ist kein Zufall. Damals gelangten Aktien im Wert von 650 Milliarden Dollar in den Besitz der ausgebenden Firmen zurück. Anschließend brachen die Börsenkurse um ein Drittel ein. Viele Marktbeobachter sind der Meinung, dass Aktienrückkäufe als Frühwarnsignal für bevorstehende Wirtschaftskrisen gedeutet werden können. Durch die teils sogar fremdfinanzierten Rückkäufe finden nämlich keine realen Investitionen statt, was Volkswirtschaften auf Dauer schwächt.

 

Weshalb Aktienrückkäufe dennoch populär sind, hat im Wesentlichen zwei Gründe: Entweder Firmen mangelt es an Wachstumsperspektive und sie finden deshalb schlicht und einfach keinen sinnvollen Verwendungszweck für ihr Cash-Polster. Oder aber, attraktive Übernahmeziele sind - aufgrund der für einen Wirtschaftsboom typischen, hohen Aktienkurse - schlichtweg überteuert.

 

Auch die Politik stimuliert Aktienrückkäufe: Seit US-Präsident Trump die Unternehmenssteuer von 35 auf 21 Prozent senkte und Konzerne dazu motivierte, Billionen Dollar von im Ausland unversteuertem Kapital gegen eine Mini-Steuer von acht Prozent in die USA zurückzuholen, sitzen Unternehmen auf gigantischen Geldbergen. Diese werden häufig nicht für Investitionen oder die Schaffung von Arbeitsplätzen, sondern zur Befeuerung der Aktienkurse durch Rückkäufe verwendet.

 

Vorteile von Aktienrückkäufen

 

Trotz so mancher Kritik bewertet der Kapitalmarkt Aktienrückkäufe in der Regel positiv: Der Kurs einer Aktie kann steigen, weil sich das Vermögen und die Dividende des Unternehmens auf weniger im Umlauf befindliche Aktien verteilt. Zudem signalisiert der Marktteilnehmer, dass er eigene Anteile für ein lohnendes Investment und / oder den eigenen Aktienkurs für unterbewertet hält. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn das Management einen “Wissensvorsprung” hat (oder zu haben scheint) und sich aufgrund neuer Produkte, Strategien oder Zukäufe mehr zutraut. Allesamt Argumente, die Investoren vom Unternehmenserfolg überzeugen und die Attraktivität sowie den Preis einer Aktie erhöhen können.

 

Was Warren Buffett von Aktienrückkäufen hält

 

Die Frage, ob Aktienrückkäufe sinnvoll sind oder nicht, lässt sich also nicht so einfach beantworten. Laut Investorenlegende Warren Buffett, dessen Investmentholding Berkshire Hathaway selbst auf einem gigantischen Cashbestand sitzt, gibt es jedoch “goldene Regeln” zur Beurteilung von Rückkäufen. Buffetts wichtigster Grundsatz lautet, dass Berkshire Hathaway Aktien nur dann zurückkaufen darf, wenn der Rückkaufkurs „unter Berkshires (konservativ berechnetem) intrinsischem Wert“ liegt. Sprich: Wenn eine Aktie im Vergleich zum inneren Wert günstig gehandelt wird. Der Aktienrückkauf-Skeptiker Buffett erklärt: „Jedes Mal, wenn ein Unternehmen seine Aktien für weniger als den Wert kaufen kann, ist es für die Aktionäre von Vorteil…. aber es sollte mit einer nachweisbaren Marge sein.“

 

Zusammengefasst: Aktienrückkäufe können für Unternehmen und Anleger durchaus gewinnbringend sein. Zum Beispiel dann, wenn es an sinnvollen Investment-Alternativen mangelt, Rückkäufe nicht fremdfinanziert sind oder dem Unternehmen an die Substanz gehen und der Aktien-Rückkaufkurs unter dem intrinsischen Wert liegt.

 

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Ich wünsche Ihnen ein entspanntes Wochenende,

 

Ihr Miss boerse.de

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