Kolumne16:22 07.09.15

Börsenexperte und Autor Prof. Dr. Max Otte

Endspiel

Sehr geehrte Privatanleger,

 

immer häufiger wurde ich in den letzten Wochen gefragt, was ich mit meiner Aussage vom nahenden Endspiel meine und was in einem Endspielszenario mit dem Finanzsystem passieren wird.

 

Hierzu möchte vorausschicken, dass wir hier nicht von einem Szenario sprechen können, sondern uns immer im Klaren sein müssen, dass sehr unterschiedliche Szenarien eintreten können.

 

Letztlich wird es um die Entwertung von Geldforderungen gehen, gegebenenfalls gekoppelt mit anderen finanziellen Belastungen für die gesellschaftliche Gruppe, die keine besonders aktive Lobby hat und von der der Rest der Gesellschaft lebt - die Enteignung der Mittelschicht, schnell oder schleichend.

 

Da dies Unrechtsakte sein werden, gibt es auch kein Drehbuch. Alles ist möglich. Dazu schreibt Willem Middelkoop in seinem Buch "Der große Neustart", das im Erscheinen begriffen ist und gegenwärtig vorab exklusiv und auszugsweise im Börsenbrief DER PRIVATINVESTOR veröffentlicht wurde: "Die meisten Menschen sehen unser Finanzsystem als binäres System mit nur zwei Optionen: es wird entweder funktionieren (1) oder crashen (2). Sie vergessen gerne, dass es ein hoch flexibles System ist, das auf vielfältige Art und Weise verändert werden kann. Weil das gegenwärtige System durch Menschen konstruiert ist und keinen "Naturgesetzen" folgt, kann fast jede gewünscht Veränderung erfolgen."

 

Für Japan hat die Schweizer Wirtschaftszeitung „Finanz und Wirtschaft“ in ihrer Ausgabe vom 29. Juli ein mögliches Endspiel beschrieben: die japanische Nationalbank würde dann massiv japanische Staatsanleihen kaufen, um den Bankrott Japans zu vermeiden. Yen und japanische Staatsanleihen kollabieren. Der Nikkei 225 steigt in Landeswährung massiv, verliert aber in Fremdwährung.

 

Es gibt allerdings Anzeichen, wie sich einzelne Player positionieren. Insbesondere glaube ich, dass Aktien und Unternehmensbeteiligungen auch im Endspiel eine starke politische Lobby haben und sich gut halten werden, da sie sich vor allem in den Händen der Superreichen, Family Offices, Staatsfonds und Pensionskassen befinden.

 

- In den USA sind die Pensionsfonds sowieso stark aktienlastig.

 

- Die japanische Regierung hat die Pensionssysteme angewiesen, die Aktienquote massiv zu erhöhen.

 

- In der Schweiz diskutiert man über einen Staatsfonds, der in Aktien anlegt, wie ihn z. B. Norwegen, Singapur und auch China haben. Den Ansatz finde ich im Übrigen richtig - warum sollte die SNB Euroanleihen kaufen?

 

- Ein großer Teil des deutschen Mittelstandes befindet sich in der Hand internationaler Kapitalgeber, die sich als Private-Equity-Gesellschaften über den Kreditmarkt refinanzieren.

 

- Zwei Drittel der Aktien der DAX-Konzerne sind in internationaler Hand.

 

Die Entwertung wird also vor allem bei Geldvermögen und Renten stattfinden und auch bei anderen Vermögensgegenständen der Mittelschicht, namentlich Immobilien. Die steigenden behördlichen Auflagen machen kleinere Mietobjekte immer unrentabler, so dass sich auch hier zunehmend größere Unternehmen und Konzerne etablieren werden und diese klassische Kapitalanlage der Mittelschicht ebenfalls nur noch zu schlechteren Bedingungen zur Verfügung steht.

 

Sicherlich können Anleger darauf setzen, mit eventuell vorhandener Liquidität im Endspiel noch einmal billig Aktien einzukaufen. Der Deflationsexperte und unabhängige Stratege Russel Napier setzt darauf. Allerdings sollte man sich seiner Sache nicht zu sicher sein: die Schuldenlast auf der Welt ist so hoch, dass das Endspiel sehr schnell einsetzen kann. Liquide sollten Anleger auch im Endspiel sein.

Auch wenn in den letzten Tagen selbst bei kleinsten Unsicherheiten sofort zu markanten Kursverlusten – auch bei Qualitätstitel wie beispielsweise Berkshire Hathaway – gekommen ist, halten wir weiterhin an qualitativ hochwertigen Unternehmen, die fundamental gut dastehen, fest. Berkshire halten wir sogar für besonders geeignet, da Warren Buffett angekündigt hat, unter dem 1,2-fachen Buchwert massiv Aktien zurückzukaufen. Das wäre ein Verlustrisiko von maximal 10 Prozent. Gleichzeitig hat die Aktie 20 bis 30 Prozent Potenzial nach oben. So war der fundamental unberechtigte Kurssturz eine Gelegenheit zum günstigeren Nachkauf.

 

Wir gehen daher in unseren Fonds nach den Bewertungen der einzelnen Assetklassen und sind tendenziell voll investiert, da wir noch genügend billige Aktien finden. Derzeit haben wir etwas taktische Liquidität, die wir im Laufe der nächsten Monate wieder investieren werden.

 

Wir suchen Sicherheit, müssen uns aber damit abfinden, dass im Endspiel, in dem es viele Rechtsverletzungen und Unrecht geben wird, kein alleingültiges "Drehbuch" geben wird.

 

Auf gute Investments,

Ihr

Prof. Dr. Max Otte

 

www.privatinvestor.de

 

© DER PRIVATINVESTOR; www.privatinvestor.de

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